Methoden für die Gruppenarbeit: Stille Gruppenarbeit

Stille Gruppenarbeit – Eine Methode für die Grundschule

Gruppenarbeiten sind ein fester Bestandteil von gutem Unterricht, vor allem in der Grundschule. Allerdings würde Unterricht auch schnell monoton werden, würde er bestehen aus: Gruppenarbeit, Gruppenarbeit, Gruppenarbeit – Methoden und Regeln sind hier wichtig, um die Gruppenarbeit zu variieren. Auch wird eine simple Gruppenarbeit dadurch erst wirklich zur kooperativen Lernform. Ich möchte euch hier einmal die „stille Gruppenarbeit“ vorstellen. Die Kinder haben viel Freude daran und man kann als Lehrende einen ganz anderen Blick auf die Lerngruppe werfen. 🙂

 

Gruppenarbeit ganz ohne Worte!

Die Regeln dieser Gruppenarbeit sind schnell erklärt:

 

1. Achte darauf, dass jedes Gruppenmitglied etwas zur Lösung beiträgt und mitarbeitet. 

Diese Regel sollte tatsächlich Grundlage jeder Gruppenarbeit sein. Üblicherweise kann man hier auf die Methode „nummerierte Köpfe“ zurückgreifen (Zeitwächter, Leisewächter, Aufgabenwächter, Reporter, Schreiber, usw.), jedoch braucht es diese Vereinbarung bei der stillen Gruppenarbeit nicht!

 

2. Keiner darf reden! Nutze deine Hände, um den anderen mitzuteilen, was du sagen möchtest.

Diese Regel ist eine Besonderheit der stillen Gruppenarbeit. Die Kinder dürfen nicht miteinander sprechen, um zur Lösung zu gelangen. Es dürfen aber Mimik und Gestik genutzt werden, um zu kommunizieren. Auch soll nicht über Schrift kommuniziert werden (also keine schriftliche Diskussion stattfinden).

 

3. Wenn ihr fertig seid, muss sich jedes Mitglied der Gruppe leise melden. Dann komme ich zu euch und kontrolliere die Lösung (bzw. bekommt ihr die Lösungskarte zur Kontrolle).

Wirklich jedes Mitglied der Gruppe muss anzeigen, dass die Gruppe die Lösung gefunden hat. Es müssen sich also alle darüber einig sein, dass die gefundene Lösung richtig ist. Erst wenn sich alle einig sind und sich melden, erfolgt eine Kontrolle (oder ein Feedback). Man kann auch ein „Ich bin fertig!“- Zeichen (z.B. beide Hände an den Kopf legen) vereinbaren oder „Ich bin fertig!“-Karten, die jedes Kind der Gruppe hochhalten muss. So unterscheidet sich das Signal deutlich vom üblichen Melden und hat m.E. eine andere Bedeutung und Verbindlichkeit.

Im Vorfeld sollte den Kindern klar sein, was passiert, wenn eine Gruppe die richtige Lösung gefunden hat. Es ist wichtig, dass schnelle Gruppen auch nach der Lösung noch leise bleiben. Wenn eine Gruppe wesentlich schneller fertig ist als die anderen Gruppen, kann man entweder eine Erweiterung der gestellten Aufgabe in die Gruppe geben (eine „Zusatzaufgabe“) oder man bittet die Kinder, leise das Ergebnis auf- oder abzuschreiben (jeder für sich). Linienblätter sollten dann bereit liegen, um die Stille nicht zu unterbrechen.

Welche Aufgaben eignen sich für die stille Gruppenarbeit?

Am besten lassen sich Aufgaben bearbeiten, bei denen die Kinder „ordnen und sammeln“ müssen. Als Einführung für die Methode „stille Gruppenarbeit“ kann man beispielsweise ein einfaches Puzzle in die Gruppen geben, welches gelöst werden muss. Hier liegt der Fokus dann tatsächlich auf der Einführung der Methode und es sollte anschließend ein Feedback stattfinden: „Was ist dir bei der stillen Lernarbeit aufgefallen?“ / „Was fandest du gut oder schwierig?“ / „Wie hat es funktioniert, ohne Sprache die Lösung zu finden?“.

Allerdings lassen sich auch unterrichtsrelevante Inhalte bearbeiten. Beispiele wären:

  • Deutsch: Das Ordnen von Buchstaben nach dem Alphabet.
  • Englisch: Das Zuordnen von Vokabeln zum passenden Bild.
  • Mathe: Ordnen der Zahlen nach dem kleinen 1×1. Ordnen von Rechenschritten.
  • Sachunterricht: Das Zuordnen von Hauptstädten zu Ländern, das Markieren von vorgegebenen Hauptstädten auf einer Karte oder das Ordnen von Bildern in eine bestimmte Reihenfolge (z.B. Pflanzenwachstum).

Eine dritte Klasse, in der ich unterrichte, hat sich über die stille Gruppenarbeit beispielsweise eine „Versuchsanleitung“ erarbeitet. Auf http://www.abenteuer-inklusion.de/alte-kartoffeln/ gibt es sehr schöne Materialien zum Thema „Kartoffel“. Dort findet ihr auch die „Fotoserie für das Stärke-Experiment“. Diese Fotos und die zugehörigen Wortkarten habe ich in die stille Gruppenarbeit gegeben. Es war die Aufgabe, die Karten zu ordnen und herauszufinden, wie der Versuch abläuft. Anschließend wurden die Ergebnisse kurz besprochen und die Kinder konnten den Versuch durchführen. Es ging in diesem Fall nur um den Versuchsaufbau bzw- ablauf.

Wichtig: Nach der Gruppenarbeit sollte im Plenum dann die Lösung der Gruppenarbeit gemeinsam besprochen werden und bei Bedarf verschriftlicht werden.

Diese Form der Gruppenarbeit habe ich sowohl in der Grundschule, als auch in einer siebten Klasse durchgeführt. Die Kinder nehmen die Stille meist als sehr angenehm war, jedoch auch als „schwierig“. Auch hier gilt: Man sollte diese Methode nicht zu häufig nutzen, aber immer mal wieder. So bleibt die Abwechslung erhalten und die Schüler motiviert. Auch einen Wechsel zwischen Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit halte ich für unabdingbar, um einen guten Unterricht zu gestalten.

Methoden für die Gruppenarbeit: Stille Gruppenarbeit

Die stille Gruppenarbeit

Ich hoffe, dass ihr Gefallen an der „stillen Gruppenarbeit“ findet und nun Lust habt, diese einmal auszuprobieren (falls nicht schön geschehen…). 🙂

1 Antwort
  1. Heike
    Heike says:

    Diese Idee werde ich bestimmt bald ausprobieren. Danke fürs Teilen! Deine Seite gefällt mir sehr gut, besonders von den kooperativen Lernformen und den Warm-Ups kann ich als „altes Eisen“ bestimmt viel profitieren.
    LG und schönes Wochenende, Heike

    Antworten

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