Lernwörter üben mit Aufgaben-Kartei

Lernwörter üben in Klasse 2 (Karteikarten)

Das Üben von Lernwörtern gehört zum Deutschunterricht in der Grundschule einfach dazu. Die Kinder sollen sich Wörter einprägen und Sicherheit beim Schreiben von schwierigen Wörtern gewinnen. Gerade in Bezug auf den geforderten Basiswortschatz kann die Arbeit mit Lernwörtern sehr hilfreich sein. Doch Vorsicht: Allein das Üben und Auswendiglernen von Wörtern garantiert keinesfalls, dass sich die Rechtschreibung der Schüler verbessert! Vielmehr brauchen die Kinder auch Einsicht in die Einheiten von Schriftsprache (Silben, Signalgruppen, Morpheme, Präfixe, Suffixe, mehrteilige Grapheme und orthografische Muster …) und Regelkenntnis, um über ausreichende Strategien zu verfügen, mit welchen sie sich explizit und implizit die Rechtschreibung erschließen können. Wenn man dies als Lehrender bedenkt und seinen Unterricht nicht bloß auf das blanke Auswendiglernen stützt, kann man die folgende Kartei sicherlich sinnvoll in seinem Unterricht nutzen.

Lernwörter üben mit Stationen und Laufzettel

Das Üben der Lernwörter kann schnell monoton werden. Die Wörter werden abgeschrieben, abgeschrieben, abgeschrieben … Zwischendurch folgt eventuell ein Schleichdiktat oder ein Dosendiktat, bei welchem die Wörter „auswendig“ abgeschrieben werden. Sicherlich darf das auch so sein – Abschreiben und Auswendigschreiben sind sinnvolle Methoden, um Lernwörter zu üben. Dennoch fehlen dann folgende zwei Aspekte

  1. Die Wörter werden nie im Zusammenhang geübt: Kinder sollten das Wort auch immer in einem ganzen Satz üben!
  2. Einige Kinder, die über einen ästhetischen / visuellen Zugang lernen, können dich Wörter leichter als Bilder merken. Warum darf ein Wort also nicht einmal auch „gestaltet“ werden?

Ich arbeite aktuell mit folgender Aufgaben-Kartei, die versucht, diese Aspekte zu berücksichtigen.

Lernwörter üben mit Aufgaben-Kartei

Die Schüler können die Lernwörter mit der Aufgaben-Kartei üben.

Wie werden die Lernwörter mit der Aufgabenkartei geübt?

Meist gebe ich pro Woche fünf oder sechs neue Lernwörter in meine zweite Klasse (zwei davon individuell). Die Kinder notieren sich die Lernwörter auf einer Liste in ihr Heft. Dann kann die Arbeit mit der Aufgabenkartei beginnen. Folgende Regeln bespreche ich mit den Kindern vor Einsatz der Karten.

  1. Die Kinder dürfen sich die Reihenfolge der Aufgaben frei aussuchen, was viele SchülerInnen zusätzlich motiviert. Auch dürfen sie eine Kartei öfter bearbeiten, wenn sie bereits alle Aufgaben einmal bearbeitet haben.
  2. Es sollen immer alle aktuellen Lernwörter bearbeitet werden (nicht nur eines!!).
  3. Um den Fortschritt festzuhalten und die Arbeit zu kontrollieren, sollen die Kinder nach jeder bearbeiteten Aufgabe zu mir kommen und sich einen Stempel für die korrekt bearbeitete Aufgabe abholen (später dürfen die Schüler sich auch im Tandem gegenseitig kontrollieren). Hierzu nutzen die Kinder den Laufzettel.

Ich drucke die Karteikarten fünf mal aus, laminiere sie und verteile sie an die (fünf) Gruppentische. So haben die Kinder die Möglichkeit, die Aufgaben bei Bedarf in Ruhe noch einmal durchzulesen. Geschrieben wird in ein Heft, welches für das Üben der Lernwörter genutzt wird.

Wichtig: Natürlich solltet ihr vor Einsatz der Karten alle Aufgaben kurz besprechen und den Kindern erklären, dass auf den Karten das Wort „Sonne“ als Beispiel erscheint. Die Kinder sollen dann mit den eigenen Wörtern die Aufgaben bearbeiten. :-)

Lernwörter üben mit Aufgaben-Kartei

Kleine Tiere auf den Karteikarten (in der rechten, unteren Ecke) geben den Kindern Tipps oder kommentieren die Aufgaben.

 

Reicht die Arbeit mit einer Aufgabenkartei?

Nein. Wie schon zuvor erwähnt, sollte man den Kindern beispielhaft immer wieder Input zu den Einheiten der Schriftsprache geben. Dies kann nicht über die Lernwörteraufgaben geschehen. Auch sollten die Kinder darauf aufmerksam gemacht werden, wenn bestimmte (verwandte) Fehler immer wieder auftreten. Schwere Stellen in den Lernwörtern können dann beispielsweise im Vorfeld markiert werden. Um Schwierigkeiten als Lehrender zu bemerken, müssen Lernzielkontrollen erfolgen. Dies mache ich beispielsweise in Form eines Diktates. Wörter, die falsch geschrieben wurden, müssen dann in der nächsten Woche wiederholt werden. Auch sollten immer mal wieder ein paar „alte“ Lernwörter überprüft werden.

Was fehlt noch?

Vielleicht habt ihr noch mehr Ideen oder arbeitet sogar ganz anders? Ich würde mich hier sehr über einen Austausch freuen. Schließlich bekommt man nur so neue Ideen und kann den eigenen Unterricht verfeinern. :-)

Fragen, die ich mir stelle: 
Wie kann man die Aufgaben noch abwechlungsreicher gestalten, ohne dabei das Lernziel (Festigen der Wörter) zu vernachlässigen?

Die Aufgabe, eine Lernwort-Collage zu erstellen (Buchstaben aus Zeitschriften ausschneiden und aufkleben), mag vielleicht gewisse Lernertypen ansprechen –  jedoch finde ich, dass hierbei die Tätigkeit des Bastelns (ausschneiden und aufkleben) zu sehr in den Mittelpunkt rückt. Oder anders gesagt: Diese Methode ist mir nicht effizient genug. Auch denke ich, dass Partner- oder Gruppenarbeit für das Üben von Lernwörtern eher ungeeignet ist (obwohl ich sonst ein großer Befürworter von kooperativen Lernformen bin!). Jedes Kind sollte sich selbstständig Gedanken machen und die Lernwörter eigenständig (!) üben. Geht es euch auch so? Sehr ihr das anders? Welche Lernmethoden nutzt ihr erfolgreich?

Übrigens gibt es zum Üben von Lernwörtern noch einen weiteren  (wie ich finde wirklich hervorragenden) Beitrag auf der Seite: „Das verfuchste Klassenzimmer„. Wer diesen Beitrag noch nicht kennt, dem kann ich nur wärmstens empfehlen, einen Blick zu wagen!

7 Antworten
    • Marie
      Marie says:

      Liebe Nicole,
      das freut mich sehr. Ich wünsche viel Erfolg! Berichte gerne, wie es lief und ob es noch etwas zu verbessern gibt!
      Lieben Gruß
      Marie

      Antworten
  1. AHkadabra
    AHkadabra says:

    Ich finde deine Karten sehr ansprechend. Und weil du gefragt hast: Bei uns gibt es jede Woche 6 Stationen zu den Lernwörtern, die am Montag nach einer Einführung der Lernwörter in der Freiarbeit bearbeitet werden. Das System der Bearbeitung ist jede Woche gleich, die Stationen variieren jede Woche. Ich achte bei der Auswahl der Stationen, dass es sich um eine Mischung aus schreiben, Feinmotorisch-kreativen Aufgaben und grobmotorischen „sportlichen“ Aufgaben handelt. (z.B. diese Woche hatten wir: Wellenschreiben, Immer-kleiner-Schreiben, Wörter mit Kastanien am Boden legen, mit dem Stichling prikeln, mit dem Matchbox-Auto auf der Tafel nachfahren und am Boden mit Kreppband aufgeklebt nachgehen.) Dann schreiben die Kinder am Montag die Wörter als HÜ zur Festigung. Am Dienstag geht es dann mit einer kurzen Wiederholung und der Anwendung in Sätzen weiter. Am Donnerstag gibt es ein kurzes Diktat und die Kinder tragen die Wörter in ihr Königswörterheft ein und die Wörter kommen in die Wortschatzkiste. Mit diesen beiden Dingen werden immer wieder auch die nicht mehr aktuellen Lernwörter wiederholt und gefestigt.
    Wir orientieren uns sehr an der Fröhler Methode.
    lg
    Anja

    Antworten
    • Marie
      Marie says:

      Liebe Anja!
      Danke für diesen ausführlichen und hilfreichen Kommentar! Die Idee mit den Kastanien finde ich sehr schön (wir benutzen dafür Knöpfe, doch Kastanien passen ja hervorragend zur Jahreszeit). Die Idee mit den Matchbox-Autos finde ich auch super… Ich werde die Aufgabenkartei noch erweitern, da ich ebenfalls plane, jede Woche andere Aufgaben zu stellen. Dürfte ich einige deiner Ideen übernehmen?

      Liebe Grüße
      Marie

      Antworten
  2. Herrn Emrich
    Herrn Emrich says:

    Bzgl. der Karte Nr. 4 verweise ich an dieser Stelle kurz auf einen Artikel von Thomé/Valtin/Naegele aus dem Jahr 2000: „Nicht nachahmenswert – Vier Ärgernisse in Rechtschreibmaterialien“:

    „Sehr fragwürdig sind Übungsformen, in denen die Beziehung zwischen Phonemen und mehrgliedrigen Graphemen durchbrochen wird. […]“. Gemeint sind hier Übungen, bei denen ein Wort auf- und wieder abgebaut werden. Auf der Karte ist das sehr eindrücklich zu sehen, wenn das Graphem „nn“ zerteilt wird.

    Antworten
    • Marie
      Marie says:

      Lieber Herr Emrich!
      Danke für den Beitrag – ich kenne diese Problematik. Jedoch denke ich, dass jeder Lerner einen anderen Zugang zu Schrift hat… Wichtig ist, dass man beim Besprechen der Lernwörter auf deren Aufbau hinweist und die Kinder auf Besonderheiten aufmerksam macht. Das mehrteilige Basisgraphem „sch“ lasse ich beispielsweise nicht „aufbauen“, ebenso „st“ und „sp“. Bei mehrteiligen Orthographemen bin ich mir jedoch nicht sicher, ob eine Zergliederung nicht doch sinnvoll ist. Letztlich entspricht die Zuordnung von Phonem zu Graphem dort nicht der üblichen (verbreiteten) Zuordnung. Es gibt teilweise Regeln, mit der sich Orthographeme herleiten lassen, teilweise jedoch handelt es sich dabei um Lernwörter. Diese Besonderheiten muss man dann auswendig kennen. Allein durch den Prozess des Schreibens bauen wir jedes Wort beim Schreiben auch Buchstabe für Buchstabe auf – warum sollte dies also hinderlich sein? Der eine lernt, indem er Muster erkennt und diese anwenden kann, der andere nicht. Man sollte in jedem Falle darauf achten, dass die Kinder mehrteilige Grapheme immer als Einheit wahrnehmen. Aber bedeutet das wirklich, dass ein Wieder-Zerteilen dieser Einheit dazu führt, dass die Schüler mehrteilige Grapheme als solche nicht mehr erkennen? Oder denken sie beim Schreiben noch einmal darüber nach?
      Die Fragen sind durchaus ernst gemeint – vielleicht mögen Sie ja Ihre Meinung dazu mitteilen.

      Generell plane ich, diese Seite wieder offline zu setzen, da ich inzwischen anders mit den Lernwörtern arbeite – wenn ich die Zeit finde, werde ich diese Seite deshalb erneuern. Das Schöne ist ja, dass man nie auslernt. Man darf nur nicht vergessen, das eigene Tun stetig zu reflektieren, zu hinterfragen und dabei den Erfolg zu kontrollieren. :-)

      LG
      Marie

      Antworten

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